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Heute geht’s zum Doktor!
Kinder die Angst vor dem Arzttermin nehmen

Hand aufs Herz: Wer geht schon gern zum Arzt? Kindern geht das nicht anders – im Gegenteil. Sie können die Erlebniswelt „Praxis“ weniger realistisch einschätzen und sind umso mehr darauf angewiesen, dass Erwachsene sie gut vorbereiten und einfühlsam begleiten.

Es gibt verschiedene Gründe, warum ein Kind Angst vor dem Arztbesuch haben kann. Abhängig davon, wie alt es ist und ob es bereits Erfahrungen gesammelt hat, kommt es in eine ihm unbekannte, zumindest ungewohnte Umgebung. Die Einrichtung mit „unheimlichen“ Apparaturen oder Instrumenten kann ihm Furcht einflößen. Den Arzt erlebt es als eine fremde Person, die aber große körperliche Nähe in Anspruch nimmt. In dieser Situation kann eine Aufforderung wie sich teilweise zu entkleiden unsicher stimmen. Vielleicht erinnert sich der kleine Patient auch an schmerzhafte Ereignisse wie eine Blutabnahme oder unangenehme Untersuchungen wie die Mundinspektion mit dem Spatel. Bei älteren Kindern kommt hinzu, dass sie eventuelle Fragen des Arztes nach Sexualität, Drogen, dem Verhältnis zu Bezugspersonen oder Freundschaften als unbequem und peinlich empfinden. Manche beschäftigt die Sorge, ob der Doktor gegenüber den Eltern „dicht hält“, andere sind ängstlicher Natur und haben Bedenken, der Arzt könne „etwas finden“. Hinzugesellen können sich falsche Vorstellungen und Vorurteile wie „Beim Arzt tut es immer weh“.

Positives Wissen schaffen

Eltern, die leichtfertig von eigenen schmerzhaften Erlebnissen berichten oder einen Arzttermin gar als Druckmittel einsetzen – „Wenn du mit dreckigen Händen isst, wirst du krank und der Doktor muss dir eine Spritze geben.“ – fördern unbewusst diese kindlichen Ängste. Hilfreicher und wichtig bereits für die Kleinsten ist dagegen ein positiver Ansatz. Dazu gehört, dass Eltern ihren Nachwuchs in altersgerechten Gesprächen auf mögliche Situationen vorbereiten. Bücher zum Thema oder gemeinsame Spiele mit dem Arztkoffer eignen sich, um Kindern die Abläufe in der Praxis, die Aufgaben des Arztes und die Funktion medizinischer Geräte näher zu bringen. Eine gute Möglichkeit, den angstfreien Arztbesuch zu proben, sind übrigens die Vorsorgetermine, zu denen ein Kind gesund und ohne Schmerzen kommt.

Wesentlich ist außerdem, dass Kinder bestimmte Kompetenzen für den Umgang mit Krankheit und Gesundheit erwerben können. Dazu zählt das Wissen über den menschlichen Körper. Auch ein Zugang zur eigenen Befindlichkeit ist wichtig: Kinder müssen lernen, auf die Signale ihres Körpers zu achten und sie zu deuten. Und sie müssen eine Sprache entwickeln, um über ihre Wünsche, Bedürfnisse und Gefühle sprechen zu können. Kinder, die diese Fähigkeiten besitzen, können sie schon mit jungen Jahren ihre Patientenrolle aktiv mit gestalten!

Weitere Tipps für Eltern kennt Dr. Thomas Fischbach, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und Anaesthesiologie, Landesverbandsvorsitzender des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte Nordrhein und Vorsitzender des Länderrates des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V.

Auch, wenn die Botschaft lautet „Es wird etwas weh tun“ – müssen Eltern ehrlich sein?

Unbedingt, das ist ganz wichtig – sonst entsteht ein Vertrauensbruch, der sich negativ auf den nächsten Arzttermin oder auch andere Bereiche auswirken kann.

Was erleichtert dem Kind den Praxistermin?

Ein Arztbesuch sollte eine alltägliche Angelegenheit sein, keine aufregende Sonderaktion. Eltern sollten den Termin möglichst locker angehen, möglichst keine Hektik verbreiten, sondern für den Weg in die Praxis und während der Untersuchung Zeit haben. Ein guter Arzt ist ebenfalls ruhig und nimmt sich ausreichend Zeit für seinen kleinen Patienten.

Was ist während der Untersuchung wichtig?

Eltern sollten ihr Kind spüren lassen, dass sie dem Mediziner vertrauen, dass sie seine Souveränität schätzen. Wichtig ist auch, dass der Arzt sich freundlich und Anteil nehmend zeigt, dass er authentisch wirkt.

Und wenn ein Kind weint oder sich nicht untersuchen lassen will?

Es braucht zunächst Verständnis und Trost seitens der Erwachsenen. Vermeiden sollten Eltern, sich als „Beschützer“ zu präsentieren – damit vermitteln sie die Botschaft „Der Arzt will etwas Böses.“. Das Kind sollte allerdings auch erfahren, dass Weinen keine Lösung und die Untersuchung notwendig ist. Oft hilft es, wenn die Bezugsperson noch einmal alleine mit ihm spricht. Steht nur eine Routineuntersuchung an, kann auch ein neuer Termin vereinbart werden. Allerdings sollten die Eltern jetzt nicht fluchtartig mit ihrem Kind die Praxis verlassen, sondern noch ein wenig bleiben, damit es sich die Umgebung einprägen kann. Der neue Termin sollte dann möglichst bald stattfinden.

Wie lässt sich ein Arztbesuch „nachbereiten?“

An erster Stelle steht natürlich Lob und Freude darüber, dass ein Kind den Termin problemlos überstanden hat. Vielleicht planen seine Eltern mit ihm im Anschluss eine kleine, besondere Unternehmung. War die Behandlung schmerzhaft, sollten Arzt und Eltern dem Kind erklären, warum diese Schmerzen sein mussten und warum sie sich nicht vermeiden ließen. Hilfreich für ein Kind ist es, wenn Eltern aus ihrer eigenen Erfahrung heraus ähnliche Beispiele erzählen. Insbesondere nach tapfer durchlebten Schmerzereignissen sind auch „Tapferkeitsmedaillen“ oder eine angemessene Belohung in Ordnung.

Mit Dr. Fischbach sprach Petra Sperling

Belegadresse:
Praxis Dr. Thomas Fischbach
Gebhardtstraße 17
42719 Solingen

Quelle:
Ausgabe: KIND & GESUNDHEIT 4.06 JF
Rubrik: 04. Gesund und munter
Thema: Mit Kindern zum Arzt
Umfang: 2 Seiten/ 6050 Zeichen
Autor: Petra Sperling/ Dr. Thomas Fischbach

 


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